Nach dem tollen Wandersegelflug letztes Jahr nach Arnbruck im bayrischen Wald hatten Nils und ich auch dieses Jahr wieder vor einen Wandersegelflug zu machen. Die erste Idee, dass das Pfingstwochenende passen könnte, kam am Donnerstag vor Pfingsten auf. Die Prognosen sahen gut aus, dass die drei Tage über das Wochenende gut fliegbar werden sollen. Zuhause in der Pfalz hingegen war ein Wochenende mit größtenteils Blauthermik und sehr warmer Luftmasse vorhergesagt. Nachdem wir am Samstagmorgen unsere wichtigsten Sachen im Flieger verstaut hatten und sogar die Luftmatratze auf der Sitzschale ausgebreitet werden musste, konnte es losgehen. Aufgrund der Wetterprognose planten wir ein großes Dreieck über die Mittelgebirge Süddeutschlands über 1100km in den drei Tagen. Diese gehen vor allem bei der vorherrschenden Warmluft von teilweise über 30 Grad am Boden deutlich besser. In tieferen Höhenlagen wird das Kondensationsniveau hingegen oft nicht erreicht und es entstehen keine Cumuluswolken.
Tag 1:
Am ersten Tag sollte es über den Odenwald, Spessart, Rhön und Thüringerwald ins Fichtelgebirge nach Tröstau gehen. Da bei uns Blauthermik sowie ein später Thermikbeginn im Rheintal vorhergesagt war, haben wir uns zu einem hohen Flugzeugschlepp auf 1800MSL in Richtung Odenwald entschieden, wo dann die ersten Wolken standen. Nach einem mäßigen, aber problemlosen Einstieg im Odenwald lief es ab dem Spessart deutlich besser mit guten Bedingungen. Im Thüringerwald stand wieder eine tolle Konvergenz, welche ein Highlight des Fluges war. Gegen 16:15 waren wir dann ohne größere Probleme bereits bei Tröstau angekommen. Dort haben wir kurz per Funk abgeklärt, ob eine Startmöglichkeit am nächsten Tag besteht. Da das Wetter noch gut war haben wir uns entschieden noch rund 3 Stunden über Fichtelgebirge und Oberpfälzerwald zu verlängern. So sind wir gegen 19 Uhr mit ca. 550km, trotz noch guter Thermik in Tröstau gelandet, um noch was zu Essen zu bekommen. Nach dem interessanten Anflug am Hang entlang stellten wir fest, dass wir pünktlich zum Grillen angekommen sind. 10 Minuten nach der Landung hatte uns Werner bereits mit Bratwurst und Steak sowie Salaten versorgt. Nach dem Essen und netten Gesprächen ging es dann noch weiter mit einem Public Viewing des DFB-Pokalfinales in geselliger Runde. Dankenswerterweise durften wir mit unseren Luftmatratzen im Vereinsheim schlafen, nachts hat es hier auf unter 10 Grad abgekühlt, die Nacht unter freiem Himmel wäre auf jeden Fall frisch geworden.


Tag 2:
Da die Thermik erst gegen Mittag losgehen sollte sind wir nach dem Aufstehen zum nahegelegenen Bäcker gelaufen. Beim Frühstück haben wir nochmal die Wetterlage und Streckenplanung geprüft. Unser ursprünglicher Plan, über den Oberpfälzerwald zum bayrischen Wald und anschließend über die Fränkische Alb zur Schwäbischen Alb zu fliegen und in Erbach bei Ulm zu landen war immer noch machbar, wenn auch Saharastaub und Abschirmungen uns Probleme bereiten sollten. Nach anfänglichen Startproblemen (Elektrowinde und ASW-20 verstehen sich leider nicht) kamen wir dann gegen 13:30 vom Flugplatz los.
Nils konnte im Windenstart geschleppt werden, ich wurde dann im F-Schlepp in die Luft gebracht. Von da aus ging es dann mit guten, aber nur einzelnen Wolken im Oberpfälzerwald los. Im bayrischen Wald angekommen, entschlossen wir uns diesen noch ein Stück aufgrund der guten Bedingungen auszufliegen, was später noch zu einem Planwechsel führen wird. Auf dem Rückweg Richtung Ulm waren weiterhin bis Ingolstadt gute Bedingungen vorhanden, danach kam leider immer mehr eine Abschirmung aus Norden, die Wolken wurden weniger und die Steigwerte deutlich schlechter. Eine halbe Stunde vorher wären die Bedingungen noch deutlich besser gewesen, weshalb die Verlängerung im bayrischen Wald wohl ein Fehler war. Unser Minimalziel war es auf die Schwäbische Alb zu kommen, da hier die Bedingungen am nächsten Tag besser sein würden und uns einen früheren Start ermöglichen sollte. Nach dem Kampf, in teilweise weniger als 1m Steigen in den nachlassenden Bedingungen, konnten wir schließlich den Flugplatz Neresheim am Ostrand der Alb in sichere Gleitreichweite bringen. Leider hatten die Bedingungen bereits soweit abgebaut dass der ursprüngliche Plan in Erbach zu landen außer Reichweite kam. Da Neresheim uns auch per Funk eine Startmöglichkeit am nächsten Tag versicherte sind wir dann gegen 19:00 mit ca. 400km in Neresheim gelandet. Auch hier wurden wir wieder herzlich Empfangen. Wir kamen pünktlich zur Pizza-Party des gemeinsamen Fluglagers der Neresheimer und Schleißheimer. Auch hier durften wir wieder im Clubheim übernachten, diesmal sogar mit Matratzen. In Neresheim werden die Hauben anscheinend mit Matratzen poliert, klingt seltsam scheint aber auch zu funktionieren. Darüber war vor allem Nils dankbar, da seine Matratze bereits am ersten Abend kaputt gegangen ist.


Tag 3:
Der dritte Tag startete ähnlich mit einem 40min Lauf zum Bäcker in Neresheim. Heute soll es über die schwäbische Alb, dem Schwarzwald und anschließend durch die Rheinebene bestenfalls nach Grünstadt gehen. Letzteres soll laut Prognosen der schwierigste Part des Fluges werden, da in der Rheinebene nur schwache Blauthermik vorhergesagt war.
Das Wetter auf der Alb war Top, der Schwarzwald ging noch besser mit einer wunderbaren Konvergenz, an welcher wir neben den Wolken vorbei steigen konnten. Die Basis war hier mittlerweile bei ca. 3000m. So wendeten wir in der Nähe des Feldbergs und waren bis zum Nordschwarzwald richtig schnell unterwegs. Von hier aus ging es dann 80 km durchs Blaue. Die nächsten Wolken standen im Odenwald kurz hinter Walldorf. Von hier aus könnten wir dann von der Basis aus heimgleiten. Durch den Kraichgau bzw. an der Ostkante der Rheinebene hat die Thermik und vor allem die Basishöhe dann deutlich nachgelassen. Im Großen und Ganzen aber immer noch gut machbar. Für Nils lief es leider weniger entspannt, da er relativ tief am Königstuhl im Odenwald in etwa auf Hanghöhe ankam. Ich habe die Wolken im Odenwald noch angetestet und konnte dann von hieraus entspannt nach Grünstadt abgleiten.


Flugweg und Sattelitenbilder 14:00






Fazit:
Das Pfingstwochenende hat sich als perfekt geeignet herausgestellt, da an sehr vielen Flugplätzen ohnehin Flugbetrieb geplant ist, bei dem man sich unkompliziert einklinken kann. Mit über 18 Stunden Flugzeit und insgesamt über 1400km Strecke bei meist guten Bedingungen sind wir absolut zufrieden, der Wandersegelflug war wieder ein voller Erfolg. Auch schön zu sehen, wie viele mit uns mitgefiebert haben und uns über Weglide Live verfolgt haben. Unsere Streckenplanung ist fast perfekt aufgegangen, wir waren morgens immer in einer günstigen Ausgangslage. Die Entfernungen hätte man sicher noch optimieren können, man wäre am Samstag vermutlich bis nach Linz in Österreich gekommen und hätte hier ebenfalls eine günstige Startlage am Folgetag gehabt. Aber um die Strecke oder Wertung an sich ging es bei den Flügen ohnehin nicht sondern um die Erfahrung, das Abenteuer und die Freude am Streckenfliegen. Wir haben viele nette Fliegerkameraden, neue Plätze und Vereine kennengelernt. Wir hoffen jetzt auf die nächste längerfristig gute Wetterlage am besten in der Ferienzeit (dann sind viele Flugplätze auch unter der Woche durch Fluglager besetzt) um dann hoffentlich dieses Jahr noch einmal losziehen zu können.
Danke an unseren Verein, dass wir die ASW-20 und den Discus für das Wochenende mitnehmen durften und für die unkomplizierte Zusage für unser Vorhaben. Weiterhin nochmal ein riesiges Dankeschön an die Vereine der Flugplätze Tröstau und Neresheim für den herzlichen Empfang, Verpflegung, Unterkunft und Startmöglichkeit. Danke an Cara und Lucas, die bereitstanden uns im Falle einer Außenlandung zurückzuholen. Und zu guter Letzt danke an Jörg für die Bereitschaft am Samstag bei uns am Platz zu schleppen. Ohne euch alle wäre dieser schöne Ausflug nicht möglich gewesen.