Rheinpfalz: Zuletzt: Maschinen auf Hochglanz poliert


Rheinpfalz-Artikel vom 06. März 2015, entnommen der Unterhaardter Rundschau

QUIRNHEIM: Nach Abschluss der Winterarbeiten auf dem Quirnheimer Flugplatz startet der Luftfahrtverein in die neue Saison

Vom Frühling bis in den späten Herbst hinein kann man sie sehen, wenn sie am Himmel ihre Kreise ziehen. Sie steigen durch den Aufwind nach oben, gleiten lautlos durch die Luft und schweben majestätisch am Himmel – die Segelflieger. Doch was geschah mit ihnen im Winter? DIE RHEINPFALZ hat nachgefragt.Werner Heckmann ist ein gefragter Mann auf dem Flugplatz – besonders im Winter, denn er ist der Werkstattleiter.

„Von November bis Ende März nehmen wir Stück für Stück jeden Flieger auseinander und überprüfen ihn auf Schäden oder Verschleißteile“, erzählt er. So wird beispielsweise der komplette Segelflieger zerlegt, wobei an Tragflügeln und am Rumpf nach Druckstellen, Lackschäden oder anderen Mängeln gesucht wird. „Wir tauschen auch mal eine Schleppkupplung aus und entfernen den kompletten Innenausbau, überprüfen die Steuerung, die Elektrik, jedes einzelne Instrument und natürlich die Funkgeräte“, bestätigt auch Stephan Hiesinger, den Heckmann schmunzelnd als seine „rechte und linke Hand“ in der Werkstatt bezeichnet. Bei einem abgebauten Flügel werden beispielsweise die Beschläge und die gesamte Kinematik sowie die Steuerung kontrolliert. Ist die Bespannung aus Baumwollstoff, porös, wird auch sie ausgetauscht. Sämtliche kleineren Schäden werden vor Ort in Quirnheim repariert, die größeren werden von einem zertifizierten Betrieb übernommen.

„Um Kosten zu sparen, machen wir sehr viel selbst“, erzählt Ernst Eymann, Präsident des Luftfahrtvereins Grünstadt. Die soziale Komponente werde großgeschrieben und das gute Miteinander fördere enorm den Zusammenhalt des Fliegerteams. „Jedes Mitglied übernimmt eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden, die größtenteils in der Werkstatt oder auf dem Platz absolviert werden“, so Eymann. Am Ende werden die Maschinen dann auf Hochglanz poliert und Ende März dem Prüfer des Luftfahrtbundesamtes vorgestellt. „Man kann sich diese Überprüfung ähnlich vorstellen, wie den Tüv beim Auto, nur strenger“, erklärt der passionierte Flieger.

Aber nicht nur die Flugzeuge müssen gewartet werden, sondern auch der Rückholwagen und der Startwagen, der sogenannte „fahrbare Tower“, bei dem es sich um einen alten VW-Bus handelt, der um einen Glasaufbau erweitert wurde, in dem sämtliche notwendigen Geräte für Start und Landung, wie Telefon, Funk und Computer, vorhanden sind. „Alles Marke Eigenbau“, verrät Eymann.

Der Starterwagen ist ein alter Lastkraftwagen, der um einen zusätzlichen Lkw-Motor auf der Ladefläche ergänzt wurde und der über ein 1200 Meter langes Stahlseil über eine Winde die Segelflieger beim Start anzieht. „Auch unsere Fahrzeuge warten wir selbst und reparieren ehrenamtlich kleine Schäden“, so Eymann. Insgesamt gibt es sieben Segelflugzeuge, einen Motorsegler und ein Schleppflugzeug auf dem Flugplatz. „Die älteren Flugzeuge waren Gemischtbauweise-Flugzeuge, das heißt, sie bestanden überwiegend aus Holz und Metall, heute sind die Segelflieger komplett aus Kunststoff, was wesentlich weniger wartungsintensiv ist und außerdem bessere Leistungen bringt“, erklärt der Fachmann.

Den Luftfahrtverein Grünstadt gibt es bereits seit 1927. „Zunächst auf dem Grünstadter Berg musste der Flugplatz schließlich nach Quirnheim verlegt werden, als die Amerikaner in Grünstadt eine Raketenstation bauten und dem Verein im Ausgleich dafür das Gebiet in Quirnheim zur Verfügung stellten“, erzählt der Präsident. Der Platz wurde damals begradigt, und über die Jahre hinweg ist durch die Nutzung als Segelfluggelände und durch die Arbeit am Boden ein Trockenmagerraser entstanden.

LVG-Grünstadt 2015 Saisonstart Rheinpfalz-UR v. 26 März

Info

Schnupperwochenende Segelfliegen vom 1. bis 3. Mai zum Preis von 50 Euro inklusive Fliegen, Verpflegung und Übernachtung auf dem Flugplatz. Infos per E-Mail unter schnupperwochenende@luftfahrtverein-gruenstadt.de. (bbq)

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau – Nr. 72
Datum Donnerstag, den 26. März 2015
Seite 14

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