Rheinpfalz: “Ohne Gefühl geht gar nichts”


Wir sind digital: Nicht nur große Verkehrsflugzeuge rüsten mit Hightech auf – Ein Besuch beim Luftfahrtverein

Grünstadt. Mit Hightech warten inzwischen nicht nur große Verkehrsflugzeuge auf, auch Sportflieger rüsten auf. Beim Luftfahrtverein Grünstadt in der Segelfliegerei geht es da noch bodenständiger zu – ganz ohne moderne Technik schwingt sich aber auch hier keiner in die Lüfte.

Es piept unablässig, mal eindringlich und schrill, mal brummend tief – das Variometer, der Steigmesser im Cockpit des zweisitzigen Segelflugzeuges vom Typ Schleicher ASK 21, dem Schul- und Kunstflugzeug des Luftfahrtvereins Grünstadt. Unermüdlich meldet das Instrument die Sink- und Steigrate des Flugzeugs. Sehr zur Freude von Pilot Manfred Steiner, der gerade beim „Kurbeln“, dem Kreisen in engen Aufwinden, versucht, Höhe zu gewinnen: „Das akustische Signal des Varios ist eine tolle Sache, weil man so nicht immer auf das Instrumentenbrett schauen muss. Man kann sich mehr Zeit nehmen, den Ausblick zu
genießen“, schwärmt er. Den Blick auf die Instrumente ersetzt die Technik deshalb noch lange nicht: „Bei uns in der Segelfliegerei wird noch viel manuell gemacht, man lässt sich ganz auf seine Umgebung ein, das macht den Sport aus“, erklärt Ernst Eymann, Vorsitzender des Luftfahrtvereins Grünstadt. Ein Blick auf das Cockpit bestätigt seine Einschätzung: Übersichtlich reiht sich eine Handvoll Geräte wie Höhenmesser und Kompass aneinander, von Hightech und virtuellen Flugwelten keine Spur.

Von gestern sind die Segelflieger deshalb aber noch lange nicht: „Das Smartphone oder auch Tablets finden in der Navigation immer mehr Verwendung. Früher waren die Geräte fest installiert, mit bis zu 10.000 Euro eine sehr kostspielige Angelegenheit. Mit entsprechenden Apps lässt sich heute über Tablets und Smartphones ebenso zuverlässig navigieren. Genau wie beim Auto; die Systeme nutzen ja dieselben Satelliten“, berichtet Vereinskollege Sebastian Schöffel. So könne sich der Pilot jederzeit orientieren und die Parameter seines Flugzeuges abfragen. Bei aller Erleichterung, die die Navigation über Smartphone und Co. bringt – das altgediente Kartenlesen bleibt nicht ganz auf der Strecke, wie Eymann betont: „Das wird nach wie vor gelehrt und gelernt. Ohne geht es nicht.“ Ebenfalls eine Errungenschaft moderner Technik ist das Kollisionswarnsystem „Flarm“, das in der vereinseigenen Flotte von sechs Segelflugzeugen, einem Motorsegelflugzeug und einem Motorflugzeug zum Teil bereits installiert ist. „Über GPS und einen eigenen Sender ermittelt das System andere Flugzeuge
auf Kollisionskurs und warnt“, so Eymann.
Für Segelflieger ein weiteres wichtiges Gerät, gerade wenn es um Wettbewerbe mit Punktewertung geht: der Logger. Das System dokumentiert Streckenflüge, schreibt Position und Flughöhe mit – und ist dank digitaler Signatur „unfälschbar“. Einen „Hightech“-Wunsch haben die Flieger des Luftfahrtvereins doch noch: „Transponder sind wichtig, vor allem für die Koordination in bestimmten Lufträumen. Über Transponder kann die Luftleitstelle am Boden erkennen, wer wo und wie hoch fliegt“, meint Eberhard Sigel. Rund 2000 Euro kostet ein solches Gerät; im Zuge des Austauschs der Funkgeräte sollen sie sukzessive installiert
werden. Alles in allem bleibt der Segelflugsport aber eines: authentisches Flugerlebnis pur. „Alle Hightech nutzt nichts – wenn der Flieger nicht steigt, geht es auch nicht nach oben“, meint Manfred Steiner lachend. Ernst Eymann stimmt ihm zu: „Technik kann weder die Übung noch das Können ersetzen.
Ohne Fingerspitzengefühl geht gar nichts“. (kcs)

LVG-Grünstadt 2015 °Wir sind digital° Rheinpfalz-UR 18.Juni

Quelle
Ausgabe Die Rheinpfalz – Unterhaardter Rundschau – Nr. 138
Datum Donnerstag, den 18. Juni 2015
Seite 13

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