„Heilig”s Blechle” aus Uropas Kinderstube


Die Rheinpfalz hat einen schönen Artikel über das Technikmuseum neben unserem Flugplatz veröffentlicht! Hier könnt ihr ihn lesen.
„Blechspielzeug aus längst vergangenen Tagen" ist das Thema der aktuellen Sonderausstellung rund um den Jahreswechsel im Motorrad- und Technikmuseum Leiningerland auf dem Quirnheimer Berg. Das besondere an den jüngsten Sonderausstellungen: Alle Leihgaben stammen von Sammlern aus der Region.

Schon traditionell greift das Motorrad- und Technikmuseum (MTM) im Quirnheimer Gewerbegebiet „Kleine Wust" über die Wintermonate ein besonderes Thema auf, um sich diesem in einer ausführlichen Dokumentation und mit zahlreichen Exponaten zu widmen. Zudem werden im jährlichen Wechsel Themen aufgegriffen, die in einem Jahr mehr frauenspezifisch sind und im anderen Jahr eine größere Affinität zu Männern aufweisen.

Nachdem im letzten Jahr unter dem Titel „Uromas Reich" Küchenhelfer und Haushaltsgeräte aus der Zeit um 1900 vorgestellt wurden, gehört das aktuelle Thema also mehr in die Kategorie „Uropas oder Opas Kinderstube". Dabei jedoch sind die Exponate von äußerst vielfältiger Natur: Sie decken einen Herstellungszeitraum von etwa 1890 bis in die 1960er Jahre ab und dokumentieren damit gleichsam auch den Wandel des Zeitgeistes, ist Kinderspielzeug doch immer auch ein Spiegel der Zeit, in der es aktuell ist. Das zeigt sich nicht nur an den dargestellten Autos oder Motorrädern, sondern auch an ausgesprochen „friedlichem" Spielzeugfiguren wie kleinen Blechtieren und Brummkreiseln oder an recht kriegerischem Gerät in Camouflage.

Gleichzeitig ist das Thema als solches schon überaus vielfältig, denn Blechspielzeug ist der Sammelbegriff für Spielzeug aller Art, das aus Weißblech hergestellt wird. Ob Figuren, Autos, Lkw, Baumaschinen, Eisen- oder Rennbahnen und ganzen Baukästen, der Einfallsreichtum der Hersteller kennt fast keine Grenzen. Schön aufgezeigt wird an den Exponaten auch die Entwicklung der „Fingerfertigkeit" bei den Herstellern. Während die ältesten Exponate, die mittlerweile deutlich mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben, recht derb in der Herstellung sind, erreicht die Fertigkeit und Detailverliebtheit in den 1950er Jahren einen Höhepunkt – bevor Blechspielzeug aus der Mode gerät und von billigeren Kunststoffen mehr und mehr verdrängt wird.

Krasse Gegensätze zeigen in diesem Zusammenhang einige wenige Exponate neueren Datums auf: Während jüngere Spielzeuge aus fernöstlicher Produktion in ihrer Ausführung deutlich primitiver sind als die ältesten gezeigten Stücke, sind viele Produkte aus der dritten Welt, die in einer eigenen Vitrine ausgestellt sind, aufgrund ihrer filigranen Gestaltung für Kinderhände eher ungeeignet und dienen nur als Sammelobjekte. Das bemerkenswerte an den Dritte-Welt-Produkten: als Rohstoffe dienen Getränkedosen, Büroklammern und Stecknadeln, was bewusst nicht kaschiert wurde.

Blechspielzeug in Deutschland wurde ab etwa 1890 in industrieller Massenfertigung hergestellt. Die deutschen Produkte waren lange Zeit weltweit ein Verkaufsschlager und Nürnberg der führende Produktionsstandort – wie so oft in Sachen Spielwaren. Namhafte Hersteller von Blechspielzeug waren Märklin, Bing, Fleischmann, Kibri, Schuco, Trix, Georg Brandstätter (heute Playmobil) sowie Tippco und Strenco. Viele der Marken tauchen im Zusammenhang beispielsweise mit elektrischen Eisenbahnen immer wieder in den Regalen der Spielwarengeschäfte auf.

Zu den besonders wertvollen Exponaten der aktuellen Sonderausstellung zählen unter anderem ein roter Drehkran, der kurz vor 1900 entstanden sein dürfte und der „Mac700" Motorradfahrer von Arnold, ein überaus gesuchtes Blechspielzeug, für das in Sammlerkreisen schon vierstellige Summen geboten wurde. Hochinteressant ist auch die Schuco Autobahn „Varianto", eine Art Vorläufer der Carrera-Rennbahn. Das eigentlich bemerkenswerte: Das rote Rennauto trägt als Herkunftsbezeichnung den Stempel „Made in U.S.-Zone Germany". Wie so oft bei altem Spielzeug zeichnen sich die Exponate durch eine ungewöhnliche Detailverliebtheit ihrer Hersteller aus: Ein Scherenschleifer beispielsweise, der über eine Transmission von einer Dampfmaschine angetrieben werden kann, ist mit einem Zündstein (wie bei einem Feuerzeug) versehen – wird er angetrieben, sprühen die Funken.

Bemerkenswert ist weiter, dass viele der Exponate auch noch nach 50 Jahren und mehr in einem voll funktionsfähigen Zustand sind, vielfach arbeiten die Federaufzugswerke noch absolut tadellos. Zahlreiche Gebrauchsspuren lassen darauf schließen, dass die exakte Verarbeitung dafür verantwortlich ist und nicht etwa die Tatsache, dass die Spielzeuge selten oder nie benutzt wurden. Das Museum ist übrigens bereit, noch funktionsfähige Spielzeuge vorzuführen. Dazu ist jedoch beispielsweise bei Schulklassen eine Anmeldung erforderlich.

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