Ein Herz aus weißem Rauch am Himmel


QUIRNHEIM: Luftfahrtverein Grünstadt und Umgebung feiert 90. Geburtstag beim Flugplatzfest – Vorführungen und Oldtimer-Sternfahrt
Von Kym Schober
90 Jahre alt ist der Luftfahrtverein (LFV) Grünstadt und Umgebung. Das Jubiläum ist am Sonntag beim Flugplatzfest Open Airport gefeiert worden. Es gab ein buntes Programm aus Rundflügen und Flugvorführungen. Das Motorrad- und Technik-Museum (MTM) Leiningerland rundete die Veranstaltung mit einer Präsentation von Oldtimer-Fahrzeugen und einer Sternfahrt ab. Höhepunkt war die Taufe des Schulsegelfliegers vom Typ ASK 21, der nach dem verstorbenen Ehrenmitglied Erich Meindl benannt wurde.
„Wir haben bereits eine ASK 21 zu Schulungszwecken. Deshalb freuen wir uns sehr, dass unser Verein so gewachsen ist und wir ein weiteres Schulungsflugzeug benötigen“, informierte der Vereinsvorsitzende Ernst Eymann. Die erfolgte mit Rücksicht auf das wertvolle Stück weniger feucht, aber nicht minder fröhlich von Weingräfin Anna-Lena Müsel im Beisein zahlreicher Vertreter aus Kommunalpolitik, Luftfahrt und Verein – allerdings „bleifrei“, wie Eymann erklärte: „Ungewöhnlich für die Pfalz, aber wir taufen mit alkoholfreiem Sekt. Hinter dem Zaun direkt auf dem Flugfeld ist Alkohol strikt verboten.“ Auf den Namen Erich Meindl habe man sich vereinsintern angesichts des außerordentlichen Engagements des einstigen Ehrenmitgliedes einstimmig geeinigt. Eingesetzt wird der neue Doppelsitzer auch für das Kunstflugtraining: „Die ASK 21 kann fast alle positiven und negativen Figuren fliegen, und wir möchten künftig verstärkt Kunstflugausbildung anbieten – wer ein Flugzeug im Kunstflug beherrscht, kann das in allen Lagen“, so Eymann.
Davon konnten sich die Besucher bei einem besonderen Programmpunkt ein Bild machen: Der erfahrene Kunstflieger Mike Rottland (65) beeindruckte mit spektakulären Flugmanövern in seiner Extra 300 S. Mal auf dem Rücken, mal im Looping, dann plötzlich trudelnd erntete der Pilot tosenden Applaus und begeisterte Zwischenrufe. Als er mit weißem Rauch ein Herz in den Himmel über Quirnheim zauberte, war klar: Hier versteht einer sein Handwerk.
Sein Motto: „Man muss sich in Grenzsituationen wohlfühlen, die man über die Dreidimensionalität erzeugen kann.“ Harte Arbeit, die der Körper erst einmal verkraften muss: Das bis zu achtfache Eigengewicht drückt ihn bei derartigen Vorführungen in den Sitz – bis zu 5 g (fünffache Erdanziehungskraft) würden ihn in anderer Richtung aus dem Sitz schleudern. „Deshalb bin ich auch mit sieben Gurten angeschnallt“, meinte Rottland.
Etwas beschaulicher ging es bei der Oldtimersternfahrt des MTM zusammen mit Tombola und einer Schau betagter Autos und Zweiräder zu: „Heute ist ein bisschen weniger los, ich schätze, es sind gut 100 historische Fahrzeuge hier und mit Motorrädern sind wir in derselben Anzahl diesmal sehr gut bestückt“, freute sich MTM-Vorsitzender Franz Bernsteiner. Für ihn macht vor allem die Kombination das Flugplatzfest zu einem tollen Ereignis: „Nirgends hat man so geballt alles: Fliegerleidenschaft und Benzingespräche.“ Derselben Meinung sind auch die Besucher: „Ein Traum: Schon mein Vater hat Oldtimer geliebt und mir das Schrauben beigebracht, mein Sohn hat sich einen Rundflug gewünscht – hier haben wir alles“, meinte Johannes Ermann aus Kaiserslautern. Auch Jonas (acht) aus Grünstadt war mit seiner Familie da und wusste nicht so recht, wo er zuerst hinschauen sollte.

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz “ Unterhaardter Rundschau “ Nr. 152
Datum Dienstag, den 04. Juli 2017

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